Das verlorene Land

Das verlorene Land

 

 

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Das verlorene Land

 

Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Seitenzahl: 254 Seiten
Preis: 6,99 €
Verlag: Ravensburger Verlag

 

 

Beschreibung

 

Die Zwillinge Tashi und Tenzin leben in Tibet. Dort haben die Chinesen das Sagen. Ihr chinesischer Lehrer schikaniert sie mit ungerechten Strafen, wo es nur geht. Als Tashi die Einweisung in ein Erziehungslager droht, ist das Maß voll. Heimlich, nur mit dem Wissen der Eltern, treffen sie Vorbereitungen für die lebensgefährliche Flucht nach Indien. Tashi und Tenzin haben keinen Plan, keine Landkarte, keine Ahnung – nur den Willen in Freiheit zu leben und den Dalai Lama zu sehen. Ihr Weg führt sie viele Wochen durch Eis und Schnee des Himalayas…

 

Das Buch erzählt von Ungerechtigkeit, von der Geschichte der Tibeter, von Glaube und Hoffnung, Hilfe und Zuversicht. Um Informationen für das Buch zu sammeln, flog Iris Lemanczyk für einige Wochen nach Indien. Dorthin, wo viele Tibeter nach ihrer Flucht leben. In der Stadt Dharamsala wohnte sie in einem Kloster. Dort lebt auch der Dalai Lama – wenn er nicht unterwegs ist. Schnell sprach es sich herum, dass das Oberhaupt der Tibeter in der Stadt ist und eine Audienz gibt. Natürlich trug sich auch Iris Lemanczyk in die lange Liste der Besucher ein. Und durfte dem Dalai Lama für ein paar Sekunden die Hand schütteln.

 

Daheim in Stuttgart machte sie sich dann ans Schreiben. Als sie über die Kälte des Himalayas und Tenzins erfrorene Zehen schrieb, fiel bei ihr prompt die Heizung aus. So saß sie eingemubbelt in Decken am Schreibtisch und schrieb mit klammen Fingern.

 

 

Leseprobe

 

Der eisig kalte Wind pfeift den Kindern um die Ohren, der Eisregen sticht wie tausend Nadeln. Bei jedem Schritt sinken Tashi und Tenzin bis zu den Knien im Schnee ein. Es kostet sie unendlich viel Mühe, auch nur die Beine aus den tiefen Spuren wieder herauszuziehen. Alle vier, fünf Schritte müssen Tashi und Tenzin pausieren und Luft holen.

 

Die beiden gehören eigentlich nicht zu den Kindern, die keinerlei Anstrengung verkraften können. Tenzin ist zwar für seine zwölf Jahre ein bisschen zu kurz geraten und sieht mit seiner stämmigen Figur auch nicht gerade wie der geborene Bergsteiger aus, aber zu Hause musste er schon früh bei der Arbeit mithelfen und er kann wirklich einiges aushalten. Das gilt auch für Tashi, seine Zwillingsschwester. Aber hier, in dieser Höhe ist alles anders. Es gibt kaum noch Luft zum Atmen. Völlig am Ende ihrer Kräfte lassen sie sich in den Pulverschnee fallen und liegen für ein paar Sekunden starr da. Aber halt, sie müssen sich zwingen aufzustehen! Nur nicht einschlafen! Wenn er jetzt einschläft, wird er nie wieder aufwachen. Warum eigentlich nicht? Warum sich noch weiter quälen.

 

Tashi zupft ihren Bruder energisch am Ärmel. “Mensch, schlaf bloß nicht ein. Wir müssen weiter!” Tenzin schüttelt nur müde den Kopf. Weiter? Nein. Er kann nicht mehr. Er will nicht mehr. Ihm ist jetzt alles egal.

 

Tashi packt ihn unsanft unter den Armen und zieht ihn hoch. Langsam, mit unendlicher Mühe rafft Tenzin sich auf. Weiter, ja weiter, wir müssen weiter. Wir müssen nach Indien.

 

 

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